Der Kreis schließt sich – langsame Rückkehr

Nach mittlerweile rund 45.000km in den letzten 17 Monaten auf unserer Reise von „Roding in die Mongolei…!“ schließt sich nun langsam der Kreis. Uns bleiben noch genau vier Wochen bis zum Ende unseres gelebten Traums, der Langzeitreise durch Europa und Zentralasien.

Würden wir uns heute aufmachen und auf direktem Weg nach Hause fahren, dann könnten wir heute Abend schon ankommen.  Uns trennen nur noch 807 Kilometer. Aber genau das wollen wir nicht. Wir waren bewusst langsam unterwegs und haben uns Zeit für jedes Land und die Leute genommen. Wir waren auf Entdeckungstour und wollten auch „die Zeit“ neu entdecken. Durch bewussteres Leben im Hier & Jetzt ist es uns auch tatsächlich immer wieder gelungen die Zeit ein bisschen „anzuhalten“ und besondere Momente intensiv zu genießen. Daher wollen wir auch ganz langsam zurückkehren.

Aktuell sind wir gerade in Polen und setzen uns hier auch intensiv mit einem Teil unserer, deutschen Geschichte auseinander. Unsere Ankunft in Polen passte gut damit zusammen, dass ich gerade die Sturmzeit-Trilogie von Charlotte Link gelesen hatte. Eine Familiensaga, die über die zwei Weltkriege, die Nachkriegszeit bis in die Moderne hinein spielt. Auch die erneute Ausstrahlung der TV-Serie „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“ fiel zufällig zusammen mit unseren letzten Aufenthaltstagen in Litauen. Dort haben wir uns die Filme, die über die Judenverfolgung im Dritten Reich erzählen, kurz vor unserer Weiterreise nach Polen, angesehen. Der Zufall wollte es, dass unser erster Stellplatz in Polen in der Masurischen Seenplatte nur 18 km von der „Wolfsschanze“ entfernt lag. „Wolfsschanze war der Tarnname für ein militärisches Lagezentrum des Führungsstabes der deutschen Wehrmacht und eines der Führerhauptquartiere während des Zweiten Weltkrieges in der Nähe von Rastenburg beim Dorf Görlitz in Ostpreußen, im heutigen Polen.“ (Wikipedia)

Wir beschlossen also auch diese historische Stätte zu besuchen, wie so manch andere auf unserer Reise davor. Keine andere hat bei uns bisher jedoch ein so beklemmendes Gefühl zurück gelassen wie diese. Wir machten uns Gedanken darüber zu welchen furchtbaren Taten Menschen doch fähig sind. Obwohl die Bunker zum Kriegsende von der deutschen Wehrmacht selbst gesprengt wurden und zusätzlich das Wachstum des Waldes dazu beiträgt, die Gebäude zu verstecken, bekommt man einen guten Eindruck von der damaligen Szenerie. Die verfallenen, von Bäumen und Moss überwucherten Wände sind bis zu 10 Meter dick, liegen schräg übereinander und sind teilweise ineinander verkeilt – ein unheimlicher Anblick. 

Obwohl uns bewusst ist, dass der Besuch der KZ-Gedenkstätten in Auschwitz uns wahrscheinlich noch mehr bedrücken wird, wollen wir auf unserer Weiterreise auch diese Orte unbedingt besuchen.

Den Abschluss unserer Reise wird dann ein Aufenthalt in unserem Nachbarland Tschechien darstellen. Wir werden dort, in der Nähe von Prag ein letztes Mal als WorkAway-Freiwillige aktiv werden. Auf einem kleinen Hof, der sich mit Permakultur beschäftigt. Diesen Hof haben wir uns ganz bewusst heraus gesucht, da auch unsere Zukunftspläne viel mit Permakultur zu tun haben.

Je näher wir unserer Heimat kommen desto intensiver beschäftigen wir uns natürlich auch mit den Zielen und Plänen für die nahe Zukunft. Und wir haben viel vor in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren. Unsere gesammelten Erfahrungen und unser Wissen aus den letzten Jahren des Reisens und Arbeitens sollen in unser eigenes Permakulturprojekt fließen. Wir freuen uns riesig darauf und haben so einen neuen Traum, den wir im Anschluss an unseren Reisetraum leben wollen. Unsere bisherigen Ideen und erste Schritte haben wir auf der Seite: permakulturprojekt.de zusammengefasst. Denn auch das „Bloggen“ ist mir während der Reise so in Fleisch und Blut übergangen, dass ich es nicht aufgeben will.

Dieser Artikel ist heute auch in derBayerwald Echo erschienen.

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