Die blaue(?) Perle Sibiriens!

Eines unserer heiß ersehnten Ziele haben wir erreicht. Wir sind am Baikalsee angekommen. Nach rund 27.000km sind wir tatsächlich in Sibirien und sitzen gerade am Ufer des Baikalsees.

Aber vielleicht kennt Ihr das auch?! Beim Gedanken an Sibiren tauchen bestimmte Bilder auf im Kopf, geprägt durch Erzählungen, Zeitungsberichte, Bücher und Filme… Wir müssen feststellen, das unsere Bilder von Sibirien und dem Baikalsee so gar nicht zutreffen. Wieder einmal dürfen wir feststellen wie sehr sich Bilder verändern, wenn wir die Perspektive wechseln und wenn die Theorie mit Praxis, in dem Fall mit Landschaft und Menschen, gefüllt wird.

Aber erstmal zurück zum 30.06.2018. An dem Tag verlassen wir Kasachstan in Richtung Russland. Unsere erste Nacht in Sibirien verbringen wir an einem See in der Altay-Region. Wir stellen unseren Rapido ein bisschen abseits von den anderen Zelten auf. Einerseits wollen wir nicht direkt ans Ufer wegen der Mücken und andererseits soll auch Pepsi ihren Spaß haben und frei laufen können und dabei keine anderen Camper stören :-).

Von dort machen wir uns auf in Richtung Baikalsee. Wir wollen die 2500km bis dorthin so schnell als möglich zurücklegen. Wir haben zwar ein Geschäftsvisum für Russland, das insgesamt ein Jahr gültig ist und uns erlaubt mehrfach ein- und auszureisen. Aber innerhalb eines halben Jahres dürfen wir uns nur insgesamt 90 Tage in Russland aufhalten und da wir nach der Mongolei durch ganz Russland zurück wollen und Russland einfach riesig ist, brauchen wir möglichst viele Reisetage für die Zeit nach der Mongolei. Da heißt es jetzt auf den Hinweg in die Mongolei Visumstage sparen!

Also fahren wir ausnahmsweise 7-9 Stunden pro Tag und dabei sehen wir in Sibirien hauptsächlich dies hier: Birkenwälder soweit das Auge reicht. Hier lerne ich auch, das der Birke hier magische Wirkung zugesprochen wird. Auf mich haben Birken auch schon immer irgendwie magisch gewirkt, hauptsächlich durch ihre lichtdurchlässige Gestalt. Ob magisch oder nicht, auf alle Fälle wirkt sich die Birke positiv auf die Gesundheit aus. Der Saft der Birke wirkt entwässernd und reinigend. Das Holz hat antiseptische Eigenschaften. Dies haben die Menschen hier in Sibirien schon früh erkannt und fertigen z.B. wunderschöne Dosen aus Birkenholz an, in denen sie Lebensmittel aufbewahren, die vor Feuchtigkeit und Schimmel geschützt werden sollen. Ich nehme mir vor auch unbedingt eine dieser schönen Dosen zu erstehen, um zukünftig unser Brot vor Schimmel bewahren zu können.

Nach neun Reisetagen haben wir es geschafft und kommen am Südufer des Baikalsees an. Vom Baikalsee wird nur in Superlativen gesprochen. Es ist der tiefste (1642 Meter) und der älteste (über 25 Millionen Jahre) Süßwassersee der Erde. Er bildet auch das größte Süßwasserreservoir der Erde und klärt sich immer wieder von selbst durch winzige Flohkrebse. Und: hier lebt die einzige nur im Süßwasser vorkommende Robbenart, die Nerpa oder Baikalrobbe – das wäre eine Freude diese zu erleben und beobachten zu können! Daher beschließen wir eher in die noch unberührteren Gegenden zu fahren und lassen Irkutsk, Listwjanka und die Insel Olchon erstmal aus.

Leider kann auch im Südosten noch nicht wirklich  von Unberührtheit die Rede sein, da muss man dann wohl doch noch weiter in den Osten fahren. An unserem ersten Stellplatz am Ufer des Baikalsees bei Vydrino gibt es wunderbare, kleine Buchten direkt am See, hier sollen morgens auch die Nerpas zu sehen sein. Aber zu viele Menschen scheinen diesen Ort auch zu „lieben“, nur leider nicht dementsprechend zu pflegen. Wie so häufig befindet sich ein Müllhaufen  neben dem anderen. Frei nach dem Motto „Nach mir die Sinnflut!“ bleiben die Reste des Picknicks inklusive Plastikgechirr und PET-Flaschen einfach auf dem Picknickplatz zurück. Die Nebenwege und Pfade werden als öffentliche Toilette benutzt, ohne sich auch nur die Mühe zu machen die eigene Hinterlassenschaft wenigstens ein bisschen zu verbergen.

Zumindest am Ufer selbst und im Wasser ist wenig Abfall und Dreck zu sehen. Ein kleiner Trost. Nach nur einem Tag ziehen wir weiter und wollen sehen, ob sich an anderer Stelle auch ein anderes Bild ergibt.

Im Schutz eines Klosters stellen wir unser rollendes Zuhause auf und fühlen uns erstmal wie an der Nordsee. Aber vielleicht ändert sich dieser Eindruck noch wenn sich auch das Wetter ändert und die Sonne wieder zum Vorschein kommt. Heute abend gehen wir erstmal ins Dörfchen und essen einen Omul. „Der Omul, auch Baikal-Omul oder Baikalrenke genannt, ist ein Süßwasserfisch aus der Unterfamilie „Renken und Verwandte“. Der Omul ist ein beliebter und wohlschmeckender Speisefisch in seiner Heimat am Baikalsee.“

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7 thoughts on “Die blaue(?) Perle Sibiriens!

  1. Immer wieder schön von euch zu hören. Wie groß ist der Baikalsee aber eigentlich..
    Du hast geschrieben wie tief er ist aber wie ist so der Umfang…Wieviele km sind es einmal außen rum oder der Durchmesser? Kann man vom Ufer die andere Seite sehen? Wahrscheinlich ja nicht wenn die blaue Perle so superlativ riesig ist, oder? War ja aber wahrscheinlich gar nicht blau, wenn es geregnet hat und der Himmel auch grau war…hm…Hauptsache euch geht’s gut bei euren Abenteuern…hat der Omul geschmeckt? Gute Reise weiterhin!

    1. O.k., da wir nachher eh abbauen… ist das ein guter Vorschlag! Lasst Euch überraschen, ob ich es schaffe Charlie zu motivieren. LG Heike

        1. Cool, wie Charlie da superman-mäßig los sprintet und hinter der Düne verschwunden bleibt! Wahrscheinlich gleich nach Sewerobaikalsk rüber gesurft!? Falls der Rapido mal neu aufgelegt wird, dann gibt´s die Rapido-Surftüre® sicher als aufpreispflichtige Sonderausstattung!
          keep surfing!
          Volker

  2. Hi, Wie habt ihr das mit dem Businessvisum geregelt, dass ihr 90 Tage in Russland bleiben durftet?
    Wir fahren eine ähnliche Route und könnten die 90 Tage gut gebrauchen.
    Grüße!

    1. oh je wahrscheinlich viel zu späte Antwort… Aus persönlichen Gründen bin ich in den letzten Monaten nicht mehr dazu gekommen den Blog zu pflegen – Sorry!
      Trotzdem noch die Info: Wir haben unser Buisnessvisum beim Reisebüro https://www.sicher-reisen.de/ in München beantragt. Die Pässe mit dem Visum wurden uns dann nach Georgien geschickt. Charlie ist ja Architekt udn wir haben eine Rundreise zum Thema Architektur als Reiseanlass angegeben.

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