Russland fängt mit „B“ an :-)

Wenn von Russland die Rede ist, denken die meisten Menschen wahrscheinlich zuerst an Moskau und St. Petersburg. Jetzt aktuell vielleicht auch noch an die gerade zurückliegende Fußballweltmeisterschaft, die in Russland ausgetragen wurde.

Wir allerdings werden fortan Russland immer erst mal mit zwei großen „B“, für Birken und Banjas, assoziieren! Da wir sozusagen die „Südroute (über die Türkei, Georgien, Armenien, Iran und die Stan-Staaten)“ durch Zentralasien in die Mongolei genommen haben, findet unsere erste Begegnung mit Russland in Sibirien statt. Und auch auf unserem Rückweg, von der Mongolei kommend, gilt es zuerst Sibirien von Ost nach West zu durchqueren, bevor wir ins geographische Europa zurückkehren.

Laut Wikipedia umfasst „Sibirien rund drei Viertel des russischen Staatsgebiets und ist etwa 13,1 Millionen Quadratkilometer groß. Im weitesten Sinne wird der gesamte nordasiatische Teil der Russischen Föderation als Sibirien bezeichnet. Es wird im Westen begrenzt vom Ural, im Norden vom Arktischen Ozean, im Osten vom Pazifik und im Süden von der Volksrepublik China, der Mongolei und Kasachstan.“

Rund 6000 Kilometer reisen wir durch Sibirien und soweit unser Auge reicht sehen wir Birken! An manchen Stellen können wir durch die lichten Birkenwälder hindurch einen Blick auf die transsibirische Eisenbahn werfen, deren Route zum Großteil parallel zum transsibirischen „Highway“ verläuft, den wir befahren. Unterbrochen werden die Birkenwälder von kleinen und größeren Ortschaften, die durch die einzigartige sibirische Architektur mit ihren reich verzierten Holzhäusern beeindrucken.

Der Birke wird in Sibirien eine magische Wirkung zugesprochen. Ob magisch oder nicht, in jedem Fall wirkt sich die Birke positiv auf die Gesundheit aus. Der Saft der Birke wirkt entwässernd und reinigend. Das Holz hat antiseptische Eigenschaften. Dies haben die Menschen hier in Sibirien schon früh erkannt und fertigen unter anderem wunderschöne Dosen aus Birkenholz an, in denen sie Lebensmittel aufbewahren, die vor Feuchtigkeit und Schimmel geschützt werden sollen. An einem der zahlreichen Straßenstände erstehen auch wir dann eine handgefertigte Birkenholz-Brotbox als nutzvolles Souvenir.

Die Birkenzweige stellen außerdem ein wichtiges Utensil für den Banja-Besuch dar. Banja heißt übersetzt „Badehaus“ und bezeichnet das russische Dampfbad, das ähnlich heiß oder zum Teil sogar heißer als eine finnische Sauna zelebriert wird. Auf unserem Weg durch Sibirien besuchen wir so oft es uns möglich ist eine Banja, da wir diese uralte russische Tradition sehr zu schätzen wissen.

Das allererste Mal sind wir 2012 mit einer russischen Banja in Kontakt gekommen, als wir zum 10jährigen Jubiläums unseres Vereins OiMi e.V., einen Banja-Besuch im Aquacur in Bad Kötzting gebucht hatten. Wir waren nun gespannt inwiefern sich eine originale, traditionelle Banja in Sibirien von dieser unterscheiden würde.

In Taischet war es soweit. Der Hausherr eines Gästehauses bei dem wir unseren Klappwohnwagen im Hof aufstellen durften, weihte uns in die Abläufe eines „echten“ Banja-Besuches ein. Im Garten hinter seinem Haus stand die selbstgebaute Banja, die traditionell aus Holz gebaut und mit einem Holzofen beheizt wurde. In diesem Fall gab es einen Schwitz/Dampfraum und einen Erholungsraum. Gewaschen wurde sich direkt auch im Dampfraum. Die Birkenzweige hatte Igor bereits eine Stunde vor unsrem Banja-Besuch in Wasser eingeweicht. „In der Banja ist das Quästen üblich, also sich selbst oder gegenseitig mit Bündeln von eingeweichten Birkenzweigen, den Körper abzuschlagen, was angenehm erfrischt und die Blutzirkulation anregt. Beim Quästen entsteht außerdem ein angenehmer Geruch nach Birke. Das Wasser aus dem Kübel, in dem zuvor die Birkenzweige eingeweicht wurden, ergibt gleichzeitig einen hervorragenden Birken-Aufguss.“ (Wikipedia)

Im Anschluss an den Banja-Besuch oder auch in den Pausen gibt es Tee mit süßen Früchten und andere Kleinigkeiten zu essen. Wir sind froh, dass wir bei unserem ersten Besuch einer Banja in Russland genau erklärt bekommen wie das Prozedere abläuft und dass wir Igor all unsere Fragen stellen können. Es stünden ansonsten doch einige Fettnäpfchen parat, in die wir nicht unbedingt hineintreten möchten. Dürfen Männer und Frauen  gemeinsam in die Banja? Wird komplett unbekleidet „gebanjat“ oder wird Badekleidung getragen? Vorher waschen, nachher waschen?…

In den letzten drei Wochen waren wir insgesamt fünfmal in einer Banja und wir hoffen, dass wir auf den restlichen 900 km bis Moskau noch mindestens einmal diese wunderbare Wärme und Erfrischung erfahren dürfen.

Dieser Text ist am 19.10.2018 auch als Artikel in der Bayerwald Echo veröffentlicht worden. Hier geht’s zum Online-Artikel!

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