Winter- & Weihnachtszeit im Baltikum

Charlie, Heike und die Hündin Pepsi beim Wintercamping

Am 05. November sind wir in Estland und damit wieder in die EU eingereist. Nach über einem Jahr, das wir außerhalb der europäischen Grenzen verbracht haben, ist es ein komisches Gefühl plötzlich wieder den Euro in der Hand zu halten und nicht mehr im Kopf umzurechnen, was nun was genau kostet. In den kommenden Wochen wollen wir das Baltikum, also die Staaten Estland, Lettland und Litauen genauer kennenlernen. Anfangs noch wie gewohnt mit unserem Klappwohnwagen, denn Wintercamping hat schließlich seinen ganz speziellen Reiz. Für die Zeit über Weihnachten und Neujahr haben wir uns dann ein kleines, gemütliches Holzhäuschen im litauischen Nordosten, umgeben von Wäldern und Seen gemietet. Hier wollen wir das Jahr ruhig ausklingen lassen. Zeit um die vielen Eindrücke unserer Langzeitreise „von Roding in die Mongolei“ wieder einmal sacken zu lassen.

In den drei Ländern des Baltikums leben insgesamt nur rund 6 Millionen Menschen auf 175.000 km². Zum Vergleich: in der Metropolregion Berlin-Brandenburg leben auf 30.370 km² ebenfalls rund 6 Millionen Menschen. Die Länder, die wir nun bereisen sind daher für unser Gefühl relativ klein, auch weil wir gerade Russland durchquert haben und auch in den Ländern davor, in Kasachstan und der Mongolei immer mit einer unendlich scheinenden Weite und Größe konfrontiert waren.  Für uns erweist es sich als Glücksfall, dass wir wieder einmal außerhalb der Saison da sind. So finden wir die Ostseestrände einsam und verlassen vor und auch auf den Holzpfaden, die sich durch die estnischen Moorwälder ziehen, können wir endlose Spaziergänge mit unserer Hündin unternehmen, ohne ständig anderen Wanderern und Vogelbeobachtern zu begegnen. Wir genießen die Ruhe und Ungestörtheit der Natur und erfreuen uns an der besonderen Schönheit, die durch Schnee und Eis in die Landschaft gezaubert wird.

Dieser „echte“ Winter ist es auch, der bei uns letztendlich die Vorweihnachtsstimmung auslöst. Beim Anblick von verschneiten Tannen, einem heißen Kakao am Lagerfeuer und dem Knarzen und Knacken der schneebeladenen Bäume fällt es leicht sich auf Weihnachten einzustimmen. Alles andere, was für uns normalerweise in Deutschland die Vorweihnachtszeit ausmacht, fällt hier ansonsten nämlich weitgehend weg. Obwohl der überwiegende Teil der litauischen Bevölkerung dem katholischen Glauben zugehörig ist und der Heiligabend ebenfalls auf den 24.12. fällt, kennt z.B. kaum ein Mensch in Litauen den heiligen Sankt Nikolaus. Geschweige denn unsere dazugehörige Tradition, die geputzten Stiefel am Vorabend vor die Haustür zu stellen, in der Hoffnung sie am nächsten Morgen gefüllt mit Schokoladen und Obst wieder herein zu holen. Auch die Tradition eines Adventskranzes mit vier Kerzen gibt es hier nicht, obwohl die Sonntage vor Weihnachten ebenfalls Adventssonntage heißen. Und das was wir am meisten vermissen sind die kleinen und größeren Christkindlmärkte, die wir in Deutschland in der Vorweihnachtszeit nur zu gerne besuchen. Ein paar wenige Weihnachtsmärkte in den größeren Städten haben wir zwar entdecken können. Diese waren aber für unseren Geschmack einfach zu kitschig um echte Stimmung aufkommen zu lassen. Auch gab es keinen Glühwein und Bratwurst, die für uns einfach traditionell dazugehören. Stattdessen waren Büdchen aufgebaut, in denen hinter Glas Puppen saßen, die offenbar baltische Handwerkskunst präsentierten.

Es wäre aber auch schade, wenn alles überall gleich wäre, dann hätten wir auf der einen Seite nichts Neues mehr zu entdecken und auf der anderen Seite nichts auf das wir uns zu Hause besonders freuen können. So bleibt es spannend zu sehen, dass trotz Europäischer Union noch sehr viel unterschiedliche Traditionen und Kultur in den einzelnen Ländern erhalten geblieben sind. Schon in den kleinen Ländern auch innerhalb des Baltikums gibt es große kulturelle Unterschiede zu entdecken. Wir haben den Eindruck, das Estland viel mehr durch Skandinavien geprägt ist, als Lettland und Litauen. In Lettland spüren wir noch viel deutlicher den russischen Einfluss.

Alle drei Länder besitzen aber auch etwas ganz Ureigenes und sind es in jedem Fall wert sich für sie Zeit zu nehmen. Neben den historischen Stadtzentren der Hauptstädte Tallin, Riga und Vilnius können wir eine abwechslungsreiche Natur, von Ostseestränden über Wälder, Seen und Moore sowie beschauliche Dörfer erkunden.

Dieser Artikel wurde auch in der „Bayerwald Echo“, der Mittelbayerischen Zeitung veröffentlicht
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