Wüste Gobi & die Rentiernomaden in der Taiga

Schon vor unserer Abfahrt wussten wir, was wir in jedem Fall in der Mongolei besuchen wollen würden… die Wüste Gobi!

Insbesondere dafür hatten wir unseren „Landy“ so ausgebaut, dass wir auch darin schlafen können und nicht nur auf unseren Klappwohnwagen angewiesen sind. Auch die Sandgitter, die wir vorausschauend besorgt hatten, waren unter anderem für den Trip in die Wüste angeschafft worden.

In Russland verabredeten wir uns dann verbindlich mit einem anderen weltreisenden Paar, das wir schon in

Susi & Malte mit Merle
(hier im Bild nur Maltes Hände 🙂 )

Usbekistan das erste Mal getroffen hatten, zur gemeinsamen Erkundung der Wüste Gobi ab Mitte August. Denn nicht nur unser Reiseführer, auch andere Reisende hatten uns eindringlich gewarnt in keinem Fall alleine in die Wüste zu fahren. Neben ausreichend Wasser und Benzin empfiehlt es sich dringend ein zweites Fahrzeug dabei zu haben, damit im Notfall Hilfe geholt werden kann.

Die Wüste Gobi ist der am dünnsten besiedelte Teil des Landes. Durchschnittlich leben hier doppelt so viele Kamele wie Menschen. Besonders im westlichen Teil der Gobi, den wir ebenfalls entdecken wollten, wird man durch viele Tierkadaver und -skelette ständig daran erinnert, dass man sich in einer lebensfeindlichen Wüste befindet.

Kamelen sind wir tatsächlich sehr vielen begegnet, welche davon eventuell zu den Wildkamelen (dem Khavtgai-Wildkamel) oder zu der meist domestizierten Art dem „Baktrischen Kamel“ zählten, entzieht sich jedoch unserer Kenntnis.

Wir hatten insgesamt zwei, sehr spannende Wochen in der Wüste, in der wir selbst glücklicherweise davon verschont blieben, im Sand oder Matsch stecken zu bleiben und stattdessen unseren Freunden sowie einem hängengebliebenen Pferdetransporter mehrfach Abschlepphilfe leisten konnten.

Nur erwies sich die Gobi als deutlich größer als geglaubt, so dass wir nur zweimal etwas länger an einem schönen Ort verweilen konnten. Die absolute Stille der Wüste und die unglaublich klaren Sternennächte mit unzähligen Sternschnuppen machen unser persönliches Wüstenerlebnis unvergesslich.

 

Für den Abschluss unseres Mongolei-Aufenthaltes haben wir einen Besuch bei den Rentiernomaden in der Taiga auf dem Programm. Wir haben uns die Entscheidung dorthin zu fahren nicht ganz einfach gemacht. Die Rentiernomaden, von den Mongolen als „Tsaaten“ bezeichnet (von dem mongolischen Wort für Rentier: „Tsaa“) ist ein Volksstamm, der von Aussterben bedroht ist. Sie sind Teil der „Tuwa“, einer ethnischen Gruppe aus Russland. Einerseits kann ihnen der Tourismus ein Zubrot zu ihrem kargen Leben mit und von ihren Rentieren bieten. Andererseits wollen wir nicht Teil eines „Sensationstourismus‘“ sein und Menschen wie Tiere im Zoo bestaunen.

Als wir jedoch über unserer Einsatzstelle des Freiwilligendienstes, den wir zu Beginn in der Mongolei abgeleistet haben, eine Tour zu den „Tsaaten“ buchen können und daher sicher sind, dass unser Geld dann auch direkt bei den Menschen vor Ort ankommt, freuen wir uns über die Möglichkeit dieses besonderen Erlebnisses.

Die Rentiernomaden leben in einem schwer zugänglichen Berggebiet westlich des Chuwsgul-Sees. Sie wohnen in ihren Tipis aus zusammengebundenen Birkenholzstangen, die schnell auf- und abzubauen sind und ziehen fünf- bis siebenmal pro Jahr um, auf der Suche nach neuen, guten Weidegründen für ihre Rentiere.

Es erscheint mir wie im Märchen, als wir nach 3 Tagen anstrengender Reise – erst mit dem Geländewagen 10 Stunden über holprige Matsch- und Erdpisten, dann anderthalb Tage zu Pferd bergauf und bergab durch die Taiga – eine erste Familie auf ihren Rentieren mit ihrem sämtlichen Hab & Gut an uns vorbei ziehen sehen.  Kurz darauf kommen wir bei unserer „Gastfamilie“ an. In drei Tipis leben hier sieben Erwachsene und drei Kinder. Zusammen halten sie 30-40 Rentiere. Wir dürfen für zwei Nächte in einem Tipi der dritten Familie nächtigen, die gerade in „der Stadt“ ist, um für die Einschulung der Kinder einzukaufen. Die Kinder sind während der Schulzeit in den nahegelegen Dörfern untergebracht und unterstützen die Eltern „nur“ in den Ferien bei der Arbeit mit den Tieren.

Schnell wird mir deutlich, dass das Leben der Rentiernomaden längst nicht so wildromantisch und ursprünglich ist, wie es gerne dargestellt wird. Die harten, langen Winter stellen die Menschen vor große Herausforderungen und der Tourismus hat leider schon seinen Teil dazu beigetragen, die Kultur der „Tsaaten“ zu verwaschen. So wird z.B. der Schamanismus hier teilweise als Geldeinnahmequelle praktiziert und hat dabei nur noch wenig mit der tiefen Verwurzelung und Verbundenheit der Nomaden mit der Natur zu tun.

Der Artikel wurde auch in der Mittelbayerischen Zeitung abgedruckt! Hier klicken zum Anschauen.

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